Weihnachten und Silvester in Barcelona - Die Geschichte von kleinen Scheißern und glücklichen Weintrauben
Von drauß’, vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr…
Deutsche Kinder quälen sich jedes Jahr mit der Tradition des Gedichte Lernens. Dies gibt es in Spanien nicht. Aber wie genau wird Weihnachten eigentlich in Katalonien und dem Rest Spaniens gefeiert? Und was ist mit Silvester? Die Antworten findet ihr hier.
Weihnachten
Spezialitäten
Während in Deutschland bereits Ende September die ersten Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner den Weg in die Supermärkte finden und spätestens ab Dezember eine ausgedehnte Adventszeit zelebriert wird, wissen die Spanier mit Dominosteinen und Adventskalendern nicht allzu viel anzufangen – vom Adventskranz ganz zu schweigen.
Nachdem mir gerade (Ende Oktober) Freunde Lebkuchen aus Deutschland mitgebracht haben, habe ich jedoch auch im Lidl um die Ecke diese Spezialitäten gefunden.
In Spanien gibt es natürlich auch weihnachtliche Spezialitäten, wie die Turrón, ein Gemisch aus Mandeln, Honig und Ei, oder Polvorones, Kekse in bunter Verpackung mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Turrón kommt ursprünglich aus Valencia und wird heute noch hauptsächlich dort produziert. Polvorones findet man vorwiegend in Andalusien, aber auch sie finden den Weg in den Rest des Landes.
Dekoration
Obwohl es den Advent in Spanien nicht gibt, beginnt Weihnachten auch hier nicht erst am 24. Dezember. Weihnachtlich geschmückte Geschäfte und Straßen findet man in Barcelona ebenfalls ab Anfang Dezember. Am 13. Dezember ist dann der Tag der Heiligen Lucia, an dem in Barcelona der Weihnachtsmarkt, die Fira de Santa Lucia, auf dem Platz vor der Kathedrale eröffnet wird.
Als weihnachtliche Dekoration gewinnt Jahr für Jahr der Weihnachtsbaum an Beliebtheit. Dieser ist keine traditionelle spanische Deko, aber da er weltweit mit dem Fest in Verbindung gebracht wird, hält er immer mehr in spanischen Wohnzimmern Einzug. Aber auch die traditionelle Krippe darf nicht fehlen. Letztere werden auch in Kirchen aufgestellt und weisen in Katalonien eine Besonderheit auf: den Caganer („Kleiner Scheißer“).
Dies ist eine Figur, die meist etwas abseits der bekannten Krippenfiguren aufgestellt wird. Sie zeugt ihrem Namen alle Ehre und macht mit heruntergelassener Hose einen großen Haufen. Dies symbolisiert einerseits das Düngen der Felder, dem eine erfolgreiche Ernte folgen Soll und andererseits den gesunden, ausgeglichenen Körper. Der „Scheißer“ ist nicht zwingend männlich. Er kommt als Mann oder Frau aller Berufsgruppen daher. Ich habe ja nicht schlecht gestaunt, als ich auf die Caganer Webseite gestoßen bin, wo es sogar Herrn Obama, Frau Merkel, Ronaldinho oder Bart Simpson als Krippenfigur gibt.
Lotterie
Eine sehr alte Tradition ist die Weihnachtslotterie, Sorteo de Navidad, für die ab Sommer Lose verkauft werden. Ein ganzes Los kostet 200 €, dafür werden auch insgesamt Gewinne von mehreren Milliarden Euro ausgespielt. Meist werden die Lose als Zehntel für den Preis von 20 € verkauft. Mit so einem Zehntel kann man natürlich nicht allein den Jackpot knacken.
Da die zehntel Lose meist in der gleichen Region des Landes verkauft werden, kann es schon einmal vorkommen, dass ein ganzes Dorf jubelt, wenn die entsprechende Nummer gezogen wird. Es gibt kaum Spanier, die nicht an der Sorteo de Navidad teilnehmen.
Der Hauptpreis, el Gordo (der Dicke), wird am 22.Dezember ausgelost. Die Verlosung wird im Fernsehen und Radio übertragen und dauert drei Stunden. Dabei singen Kinder einer madrider Schule die Losnummern und die Gewinnsumme. Seit 1984 herrscht Gleichberechtigung bei el Gordo und auch Mädchen dürfen in die Lostrommel greifen. Um das noch einmal hervorzuheben: die Losnummern werden gesungen! Das kann bei einer dreistündigen Sendung ganz schön nervig werden, vor allem deshalb, weil die lieben Kleinen sehr hohe Stimmen haben und die Nummern fast schon schreien.
Bescherung
In Deutschland wie in Spanien sind die Traditionen von Familie zu Familie etwas unterschiedlich. In der Regel werden Geschenke am 25. Dezember und am 6. Januar zum Tag der heiligen drei Könige verteilt. Teilweise gibt es aber auch hier die Geschenke schon am Abend des 24. Dezembers, der noche buena. Auch wer die Geschenke bringt, ist in den Familien verschieden: Papa Noél, der Caga tió oder die drei Könige…
Eine besondere katalonische Tradition ist der Caga tió, ein Holzklotz, der Geschenke – nennen wir es einmal – „von sich gibt“ (wenn wir an den Caganer zurückdenken, erklärt sich das Wort „Caga“ von selbst). Geschenke werden unter einer Decke versteckt und erst enthüllt, nachdem vor allem Kinder mit Holzstöcken auf den Klotz geschlagen haben. Hier ein Textauszug (mit Übersetzung), falls ihr mitsingen wollt:
Caga tió
ametlles i torró
no caguis arangades
que són massa salades
caga torrons
que són més bons
Scheiß, tió
Mandeln und Turrón,
scheiß keine Heringe
die sind zu salzig
scheiß Turrón
die sind besser.
Weiterhin gibt es in Spanien die Schicksalsurne. Diese wird nach dem reichhaltigen Essen am 24. auf den Tische gestellt und enthält viele kleine Geschenke. Jeder darf eins ziehen und hofft dabei natürlich keine Niete zu erwischen.
Der Weihnachtsmann, Papa Noél, spielt hier eine untergeordnete Rolle. Er ist hier eine Modeerscheinung angelehnt an andere europäische Länder. In manchen Familien bringt er am heiligen Abend die Geschenke. So können die Kinder bereits in ihren Ferien mit dem neuen Spielzeug spielen und nicht erst Anfang Januar zum Ferienende.
Kirche
Auch der Besuch der Kirche an Weihnachten ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Viele Familien besuchen am 24. Dezember die Mitternachtsmesse, die Misa del Gallo (wörtlich „die Messe des Hahnes“). Ein Hahn soll es nämlich gewesen sein, der damals die Geburt Christi verkündete.
Silvester
Wer ein prachtvolles Feuerwerk über den Dächern Barcelonas erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ein Spektakel mit Raketen und Böllern gibt es in Spanien nicht. Nur vereinzelt steigen ein paar Raketen.
Vielmehr ist Silvester ein Tag, der im Kreise der Familie verbracht wird. Man isst zusammen und sieht fern, denn um Mitternacht wird aus Madrid live der Jahreswechsel, der durch die Glocken des Turmes an der Puerta del Sol eingeläutet wird, übertragen. Dabei sollen 12 Weintrauben gegessen werden. Wer es schafft, bei jedem Glockenschlag eine zu essen, hat angeblich das ganze folgende Jahr über Glück. Daher heißen Sie „uvas de suerte“ (Glückstrauben) und werden in Supermärkten schon abgezählt unter diesem Namen verkauft.
Anschließend sind es vor allem die jüngeren, die zum weiterfeiern in die Diskotheken gehen. Jede Disko bietet für diesen Abend eine Feier. Auch die Touristen finden sich dort meist nach Mitternacht ein. Viele Hotels bieten am Silvesterabend Gala-Dinner und die obligatorischen 12 Weintrauben an.
Wenn ihr in Barcelona beim Glockenschlag nicht ganz auf bunte Lichter verzichten wollt, sollte der Torre Agbar euer Ziel sein. Dieser wird am 31. Dezember spektakulär beleuchtet und zeigt die einzelnen Glockenschläge auf seine eigene Art an.
Der Neujahrstag ist frei, so dass man sich nach einer ausgiebigen Partynacht erholen kann.
Birte
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