Die Sardana in Barcelona – der katalanische Volkstanz
Vielleicht hat sich der ein oder andere von euch schon gewundert, wenn er Leute in einem großen Kreis stehen, sich an den Händen halten und ihr Arme in die Luft heben gesehen hat. Das war dann die Sardana, der traditionelle Landestanz von Katalonien.
Dieser Tanz wird von den Katalanen fast zu jeder Festlichkeit, an jedem Feiertag und hier in Barcelona sogar an jedem Sonntag praktiziert. Wieso? Das ist ganz einfach: die Sardana ist ein Symbol für die Einheit und den Stolz der Katalanen. Er wird als Zeichen nationaler Zusammengehörigkeit und Identität betrachtet, das den Geist und die Seele der Einheimischen wiederspiegelt. Aus diesem Grund wurde der Tanz unter Franco auch lange Zeit verboten und ist gerade deshalb ein so starkes Symbol für die katalanische Kultur.
Soviel zu den Hintergründen. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, wie der Tanz genau geht. Es fassen sich teilweise fremde Menschen in einem Kreis an den Händen und fangen an, links- oder rechtsherum zu tanzen. Auf den ersten Blick hat mich das so ein bisschen an meine Kindheit und den „Ringelreihtanz“ erinnert, aber bei genauerem Hinsehen habe ich gemerkt, dass die Schritte sehr genau und präzise sind. Eine falsche Bewegung und man kann den ganzen Kreis aus dem Takt bringen. Das Tempo wechselt sich von langsam nach etwas schneller ab, wobei der Tanz die meiste Zeit eher langsam, konzentriert und ernst wirkt und getanzt wird.
Der Sardana ist auf jeden Fall komplizierter als man denkt, deshalb würde ich euch auch empfehlen, erst einmal genau zuzusehen, bevor ihr der Einladung der Menschen folgt und euch unters Volk mischt. Die Einheimischen halten nämlich nicht viel davon, wenn sich Touristen in ihre Mitte mogeln und Verwirrung in den Tanz bringen.
Falls ihr euch allerdings nach ein paar privaten Übungsstunden im Wohnzimmer bereit für einen Versuch fühlt, werdet ihr mit offenen Armen Willkommen geheißen. Egal ob Jung oder Alt, ob Arm oder Reich… der Sardana ist auch Ausdruck für die Offenheit der Menschen, das heißt jeder kann zu jeder Zeit in den Kreis ein- und wieder austreten.
Und was zieht man dazu an? Entgegen vieler Behauptungen gibt es keine Kleiderordnung für das Tanzen der Sardana. Ihr werdet Menschen in Freizeitklamotten, genauso aber auch Geschäftsleute mit Anzügen finden. Traditionell sieht das Bild eines Sardana-Tänzers aber folgendermaßen aus: Für die Damen eine Bluse, ein schwingender Rock und ein Haarnetz. Für die Männer eine Kniebundhose mit Weste, weißem Hemd und roter Bauernmütze. Ganz typisch für den Sardana sind die Schuhe, die „Espardenyes“ heißen und mittlerweile auch in der Freizeit gerne getragen werden.
Es gibt sogar eine Organisation, der man je nach seinem Stadtviertel beitreten kann, und die Kurse, jährliche Feste und professionelle Sardanas organisieren. Auf deren Homepage könnt ihr euch ein paar Fotos ansehen. Aber bitte beachtet: die Seite ist nur auf katalanisch.
Wenn euch Tanzen gefällt, schaut doch mal auf der Seite von Tablao de Carmen vorbei, um mehr Infos über Flamenco zu bekommen.
Leider lassen sich immer weniger der jungen Einheimischen vom Tanzfieber anstecken und der Altersdurchschnitt der Sardana-Teilnehmer fällt meistens auch dementsprechend aus. Einzig in den kleinen Dörfern gibt es noch mehere junge Leute, die der Tradition folgen.
Es bleibt zu hoffen, dass dieser seltsame und doch so faszinierende Tanz in Zukunft nicht ausstirbt und dass die Jugend durch gezielte Projekte und Aktionen ihr Begeisterung für die katalanischen Werte und Traditionen wieder entdeckt.
Jessica
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