Spazierwege in den Hügeln von Barcelona

Ausflüge, Im Freien, Reisetipp on 12. April 2012 16:26
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Barcelona ist für sein geschäftiges Treiben berühmt: volle Nachtclubs, enge Gassen und lärmende Märkte. Die Stadt weist immerhin eine der höchsten Bevölkerungsdichten in Europa auf. Sie liegt auf einer schmalen Küstenebene und wird von zwei Flüssen sowie dicht bewaldeten Bergen begrenzt. Grünanlagen sind in der Stadt heiß begehrt – ebenso wie ein Liegeplatz am Strand. Doch wer das meiste aus dem hervorragenden Wetter in Barcelona herausholen und sich von der Hektik der Stadt erholen möchte, dem würden wir einen Ausflug in die umliegende Hügellandschaft empfehlen.

Viele Leute, die regelmäßig nach Barcelona kommen, wissen nicht, wie schön man in den Hügeln rund um die Stadt spazieren gehen kann. Die öffentlichen Verkehrsmittel bieten Verbindungen in den riesigen Naturpark Collserola. In dieser herrlichen Hügellandschaft erwarten einen abgelegene Rückszugsorte, an denen man höchstens mal auf einen Jogger oder Mountainbiker trifft. Dort kann man die katalanische Natur in aller Ruhe genießen. Und da das Stadtzentrum von Barcelona auf Meereshöhe liegt, bieten die steilen Hügel einen einzigartigen Blick über die Stadt.

Tibidabo

Tibidabo – 6 Stunden

Tibidabo by darkknight9Auf dem Gipfel des Hügels Tibidabo befindet sich die glitzernd weiße Kirche Sagrat Cor, ein beliebtes Wahrzeichen von Barcelona. Sie liegt auf einer Höhe von 512 Metern und ist damit die höchste Stelle im Collserola-Gebirge. Der Name des Tibidabo geht auf eine lokale Legende zurück, nach der Satan Jesus auf diesem Gipfel alle Königreiche dieser Welt angeboten haben soll (der lateinische Ausdruck ‘tibi dabo’ bedeutet ‘Ich werde es dir geben’). Die Kirche und der angrenzende Vergnügungspark sind in der Regel mit Touristen überfüllt. Die meisten Besucher fahren mit der Seilbahn direkt zum Gipfel, doch wenn man einen ganzen Nachmittag Zeit hat, kann man auf diesen Transfer gut verzichten, um die wunderschöne Natur des umliegenden, 8.000 Hektar großen Parc de Collserola zu erleben.

Mit den Vorortszügen Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC) gelangt man in weniger als einer halben Stunde von der Plaça Catalunya auf die andere Seite des Collserola-Gebirges. Vom Bahnhof Baixador de Vallvidrera kann man einen schönen Spaziergang zum Tibidabo unternehmen. Beim Verlassen des Bahnhofs steht man vor einem leicht abfallenden Gelände mit verschiedenen Wanderwegen, die zum Tal hinter dem Tibidabo führen. Auf dem Weg durch dieses Waldtal, kommt man an Schildern vorbei, die den Torre de Collserola ausweisen (da dieser Kommunikationsturm ohnehin sehr hoch ist, sollte er problemlos zu finden sein).

Einmal angekommen, kann man sich auf die schwindelerregende Aussichtsplattform des Turms begeben oder nach links abbiegen und in Richtung des von einem kleinen Dorf umgebenen Temple de Sagrat Cor laufen. Diese Kirche aus den 1920er Jahren besticht durch ihren speziellen Charme, doch das wahre Highlight ist der atemberaubende Rundumblick über das katalanische Hinterland und Barcelona. Jetzt zu Fuß zurückzulaufen, wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wer unter Zeitdruck steht, kann die Seilbahn und anschließend die historische, blaue Straßenbahn zum FGC-Bahnhof Av. Tibidabo nehmen. Zusätzliche Informationen zum Park und seinen Spazierwegen sind auf der Website des Parks zu finden.

Parc Guinardó/ Parc Güell

Parc del Guinardó und Parc Güell – 3 Stunden

Parc Guell by Tania HoDer Parc Güell gehört für viele Touristen in Barcelona zum Pflichtprogramm. Die Sammlung von Gaudís Werken am Eingangsbereich ist meistens ziemlich überfüllt. Nichtsdestotrotz kann man in den weitläufigen und abwechslungsreichen Grünanlagen rund um den Parc Güell schöne und angenehme Spaziergänge unternehmen, ohne die Stadt verlassen zu müssen.

Auch hier möchten wir die ausgetretenen Pfade verlassen und einen anderen Weg einschlagen. Mit der U-Bahn-Linie 4 fahren wir zum Bahnhof Alfons X. Von dort sind es nur 10 Gehminuten zum Parc del Guinardó, der einen interessanten Kontrast zum angrenzenden Parc Güell bildet. Zum Parc del Guinardó gelangt man wie folgt: Den U-Bahnhof auf der Ronda del Guinardó verlassen und links in die Carrrer de Francesc Alegre abbiegen. Am Ende dieser Straße liegt auch schon der Parkeingang. Energiegeladene können den kurzen steilen Weg zum Hügelgipfel hinaufkraxeln. Wer es etwas ruhiger angehen möchte, erkundet den Park auf den umliegenden Wegen.

Auf dem Gipfel befindet sich die ehemalige Flugabwehrstellung Turó de la Rovira, die aus dem Spanischen Bürgerkrieg stammt. Nach dem Sieg der Franco-Truppen gehörten diese Gebäude auf dem Hügelgipfel zu einer Barackensiedlung, die von Immigranten aus Südspanien bewohnt wurde (und seit den 1990er Jahren unbewohnt ist). Die Überreste dieser Siedlung sind auch heute noch sichtbar. Da verschiedene Routen zu den Ruinen führen, kann man die Gegend als Besucher bequem besichtigen. Auf dem Rückweg nimmt man die Carrer de Muhlberg bis zum Parc de Carmel, der an die nördlichen Bereiche des Parc Güell grenzt. Dort erwarten einen viele beliebte Stellen mit einer herrlichen Aussicht. Man kann auch zum Haupteingang des Parks laufen und ein Foto von dem berühmten Salamander von Gaudí schießen.

Pedralbes

Pedralbes, Sant Pere Màrtir – 6 Stunden

Pedralbes by Samu73Nur wenige Touristen besuchen diesen wohlhabenden Vorort von Barcelona, auch wenn sein Kloster ein gewisser Anziehungspunkt ist. Doch hinter Pedralbes befindet sich der Hügel Sant Pere Màrtir mit seinen markanten, rot-weißen Sendemasten. Dort sind die schönsten Spazierwege der Stadt zu finden.

Von der Plaça Catalunya fährt man mit den FGC-Zügen zum Bahnhof Reina Elisenda. Dort nimmt man den Ausgang zur Avinguda de Josep Vicenç Foix und läuft anschließend die steile Torrent de Can Caralleu herauf. Am Ende dieser Straße liegt ein steiler und etwas anstrengender Weg, der zur Carretera de les Aigues, einem gut erhaltenen, breiten Spazierweg hoch über der Stadt, führt. Diesem Pfad folgt man nun und genießt zu seiner Linken einen herrlichen Ausblick. Schließlich erklimmt man den Weg zum Gipfel. Dort befinden sich Ruinen aus dem Spanischen Bürgerkrieg und ein paar Bänke, die sich ideal zum Ausruhen inmitten der schönen Hügellandschaft eignen (an einem klaren Tag kann man die gezackte Silhouette des Montserrat-Gebirges erkennen).

Anschließend geht es auf demselben Weg weiter, bis man auf der anderen Seite des Hügels ankommt. Dort liegt ein abgelegenes, bewaldetes Tal, in dem nichts mehr an die Weltstadt, die man soeben hinter sich gelassen hat, erinnert. Wanderungen durch dieses Waldgebiet sind relativ einfach, und man kann schöne Ecken zum Ausruhen finden. Für den Rückweg in die Stadt (viele Straßen in Hanglage verfügen über keine Gehwege) geht man am besten denselben Weg zurück: Man läuft den abschüssigen Pfad, der zur Carretera de les Aigues führt, herunter und fährt vom Bahnhof Reina Elisenda zurück ins Stadtzentrum.

Montjuïc

Montjuïc – 3 Stunden

Montjuic Castle by colinjcampbellEin Spaziergang auf dem historischen Montjuïc gehört für viele Besucher in Barcelona ebenfalls zum Pflichtprogramm. Dieser Hügel befindet sich in strategischer Lage am Meer und bietet trotz seiner niedrigen Höhe von 184 Metern einen hervorragenden Panoramablick über die Stadt.

Mit der U-Bahn-Linie L3 fährt man zum Bahnhof Parallel, von wo eine Seilbahn (mit nur einem Waggon) bis zur Avinguda de Miramar fährt (die Hauptstraße des Hügels, auf der auch die Touristenbusse verkehren). Von dort sind es noch einmal ca. 20 relativ angenehme Gehminuten bergaufwärts bis zum Castell de Montjuïc, der höchsten Stelle des Hügels. Diese Festung stammt aus dem 17. Jahrhundert, und der Eintritt ist kostenfrei. Auf den gut erhaltenen Befestigungsmauern tummeln sich in der Regel viele Touristen, die den atemberaubenden Ausblick genießen.

Anschließend lädt auf der anderen Seite des Schlosses die kleine Holzkneipe Caseta de Migdia zu einem Besuch ein. Nach einem erfrischenden Getränk kann man entweder den Rückweg antreten oder am Olympiastadion vorbei zum majestätischen Palau Nacional laufen. Dieser befindet sich nahe der Plaça Espanya mit Anbindungen ans U-Bahn-Netz.

Parc Sant Mateu

Parc de Sant Mateu – 7 Stunden

Singuerlin by daniel.juliaDiese letzte Route liegt nicht wirklich in Barcelona – man muss ca. 40 Minuten mit der U-Bahn nach Santa Coloma de Gramenet fahren. Zuerst nimmt man die L1 nach La Sagrera und anschließend die L9 nach Singuerlin. Auch wenn die gesamte Strecke mit der U-Bahn zurückzulegen ist, befindet sich das Endziel recht weit entfernt – die meisten Besucher kommen hier nicht hin! Trotzdem wartet dieser unbekannte Vorort von Barcelona mit einem der besten Spazierwege der Stadt auf.

Vom U-Bahnhof Singuerlin folgt man der Avinguda de Catalunya und der Avinguda de la Primavera bis zum Ende der Carrer de Garcilaso de la Vega. Dort befindet sich ein Parkplatz, von dessen linker Seite ein Fußweg abgeht. Über diesen Fußweg gelangt man zu einem steilen Pfad, der wiederum zu einer Schotterstraße über Santa Coloma führt. Folgt man diesem Weg, entfernt man sich immer mehr vom Stadtzentrum von Barcelona und gelangt schließlich auf einen von Zypressen gesäumten Pfad, der zur Wallfahrtskapelle Ermita de Sant Climent führt.

Nachdem man den schönen Ausblick auf den Norden von Barcelona genossen hat, geht es auf dem Schotterweg zurück bis zu einer Gabelung. Von hier führt ein Weg auf den Hügelgipfel und zum Puig Castellar (auf 303 Meter Höhe). Diese ehemalige iberische Siedlung (Poblat Iberic) aus der Eisenzeit wurde vom sechsten Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen zweiten Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Auch wenn diese Grabungsstätte auf dem Hügelgipfel derzeit nicht mit Personal besetzt ist und nur selten in Reiseführern genannt wird, bietet sie doch ein außergewöhnlich gut erhaltenes Dorf mit Straßen und einzelnen gut erkennbaren Häusern. Einige Gebäude wurden wiederaufgebaut, und es gibt mehrere praktische Informationstafeln, die den hohen Entwicklungsstand dieser Siedlung beschreiben. Sie gehörte zu einem Netz von Höhensiedlungen, die in der Umgebung des heutigen Barcelona lagen. Von hier genießt man auch einen fantastischen Blick über Barcelona und die umliegende Landschaft.

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