Anti-FKK-Gesetz in Barcelona

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Die Freikörperkultur (FKK) ist ein heiß diskutiertes Thema. Sie findet einerseits viele Befürworter (die auch gerne mal FKK betreiben), aber auch viele Gegenstimmen.

Die Stadtverwaltung Barcelona hat kürzlich das nackt durch die Straßen laufen verboten (Mai 2011). Es handelt sich dabei um eine bürgerschaftliche Verordnung der Stadt mit Geldstrafen für diejenigen, die sich nicht daran halten.

Nackt oder halbnackt (mit freiem Oberkörper oder nur mit der Badehose bekleidet) durch die Straßen zu laufen, soll demnach mit Geldstrafen zwischen 300 und 500 Euro geahndet werden (dabei gilt die Höchststrafe für `Wiederholungstäter´). Wobei der Gesetzestext auch vorsieht, dass die Guardia Urbana einen zuerst ermahnen muss, bevor die Geldstrafe droht.

ayuntamiento barcelonaUm die Kleidungsgewohnheiten der Stadtbewohner in den Griff zu bekommen, hat die städtische Regierung von Barcelona eine Kampagne gestartet, damit sich die Bevölkerung anständig kleidet. Über die Initiative Respecte per a tots (“Respekt für alle”) kann man sich in den Schaufenstern und Eingängen zu den touristischen Sehenswürdigkeiten von Barcelona informieren. Dort erfährt man, was man tragen kann und was nicht.

Diese Kampagne richtet sich jedoch nicht nur an die Anwohner der Stadt, sondern auch an die tausenden Touristen, die nach Barcelona kommen. Damit soll verhindert werden, dass die Besucher im Strand-Outfit durch die Stadt laufen – Bikinis und Badehosen sind ausschließlich für den Strand da.

Verbände wie der Verein für die Verteidigung des Rechts auf Freikörperkultur („Asociación por la Defensa del Derecho a la Desnudez“) fühlen sich von diesem Verbot bedroht. Ihr Argument lautet, dass es einen Unterschied zwischen Freikörperkultur auf den Straßen und Sex in der Öffentlichkeit gibt. Der Verein wägt derzeit ab, ob er juristisch gegen die Verordnung vorgehen soll.

Hervorzuheben ist, dass es in Barcelona nur einen offiziellen FKK-Strand gibt, den La Mar Bella. Auf diesem 180 Meter langen, ausgeschilderten FKK-Strand ist immer jede Menge los. Es existierte noch ein anderer FKK-Strand am Hafen, den es jedoch seit dem Bau des W Hotels nicht mehr gibt.

Der Nackedei von Barcelona

Für diejenigen, die ihn noch nicht kennen: Das ist Esteban, der berühmteste Nudist der Stadt. Er ist 6Image Flickr by FaceMePLS(2)7 Jahre alt und spaziert mit seinen Ganzkörpertattoos nackt über die Straßen von Barcelona (s. Video).

Im Jahr 2008 wurde er mit einer Geldstrafe von 80 € verwarnt, weil er nackt auf die Straße gegangen war. Trotz des Verweises der Guardia Urbana hat sich Esteban nichts angezogen, weshalb ihn die Polizisten wegen Ungehorsam anzeigten.

Der Richter verkündete: „Der Angezeigte hat irrtümlich geglaubt, dass das Recht auf seiner Seite steht, wenn er sich komplett nackt zeigt. Dabei hat er jedoch vergessen, dass die anderen ebenfalls das Recht haben, ihn nicht unbekleidet sehen zu müssen“.

Welche Auswirkungen wird dieses neue Gesetz wohl auf Esteban haben?

Grundlegendes gegen FKK

“Die Verteidigung des Personenrechts, keine Einschränkungen zu erleben, die aus der Missachtung des Mindeststandards der Kleiderordnung resultieren“

  • Es ist verboten, sich nackt oder halbnackt in öffentlichen Räumen zu zeigen, es sei denn es gibt Genehmigungen für bestimmte öffentliche Orte.
  • Es ist verboten, öffentliche Räume nur in Badebekleidung zu durchqueren oder sich in diesen aufzuhalten. Davon ausgeschlossen sind Swimmingpools, Strände und andere dafür vorgesehene Plätze. Das Verbot gilt weder an den Strandpromenaden noch auf den Straßen in Strandnähe.
  • Das im ersten Abschnitt des vorherigen Paragraphen dargestellte Verhalten wird mit einer Geldstrafe von 300 bis 500 Euro belegt. Das im zweiten Abschnitt dargestellte Verhalten wird mit einer Geldstrafe von 120 bis 300 Euro belegt.
  • Die Polizeibeamten weisen den Zuwiderhandelnden darauf hin, dass sein Verhalten untersagt ist. Wenn die Person ihre Haltung nicht ändert, wird eine Geldstrafe erhoben.

Was halten Sie von FKK? Befürworter oder Gegner? Ich freue mich über Meinungen und Kommentare!

9 KOMMENTARE

  1. Artikel 18 ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE der Vereinten Nationen besagt: “Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder –> Weltanschauung <– allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen."

    Artikel 29, Satz 2 ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE: "Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen."

    Sicherlich gibt ein individuelles Recht, demzufolge andere bestimmte, aktive Handlungen zu unterlassen haben, z.B. Beleidigung, Nötigung oder körperliche Gewalt. Das Fehlen der Kleidung eines Mitbürgers hat jedoch als Voraussetzung keine aktive Handlung, es ist ein passiver Zustand.
    Meines Erachtens kann es kein individuelles Recht geben, das andere aus der Passivität heraus zu einer bestimmten Aktion nötigt, außer zur Hilfeleistung.

    Ich stelle es infrage, ob das Fehlen der Kleidung Einzelner im Jahre 2011 noch immer moralisch verwerflich ist und ob es "der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft" abträglich ist, wenn ein paar Wenige mit mehr oder weniger Klamotten durch eine Stadt laufen.

    Ich denke, dass es einer demokratischen Gesellschaft, die Wert auf Individualität und Toleranz legt, gut zu Gesicht stünde, wenn sie dem Einzelnen nicht nur die Wahl des Wohnortes und des Berufes, sondern auch der Kleidung freistellt.

  2. ich glaub das Problem löst sich von alleine mit sinkender Temperatur. Warum sollte man also nicht wenn es heiß ist nackig rumlaufen dürfen. Dass jeder Nackedei zumindest ein Tuch mit hat für den Besuch einer Gaststätte ist, denk ich, selbstverständlich. Ich würd mir mehr Toleranz wünschen. Ist doch wirklich jeden seine Sache ob er sich nackt zeigt. So manch Angezogener sieht abstoßender aus wenn er eine fette Speckschwarte unter dem zu engen Shirt zeigt.

    • Hallo blitzkaro,

      danke für deine Meinung und den Kommentar. Ich denke, die ist ein sehr spezielles Thema, zu dem jeder seine eigene Meinung hat. Ich persönlich finde, dass man sich schon etwas anziehen sollte, wenn man beispielsweise durch die Stadt läuft. Nackt kann man dann immernoch zuhause oder an dafür vorgesehen Orten herumlaufen. Aber wie gesagt, da spalten sich die Meinungen. Was denken die anderen? Ich freue mich über weitere Kommentare zu diesem umstrittenen Thema.
      Viele Grüsse,
      Sinja

  3. Ich finde das jeder das recht hat, sich nackt zu bewegen, egal wo, wir wurden ja auch so Geboren. Das ist keine Frechheit, dass es vorgeschrieben wird Kleidung zu tragen. So nimmt man uns eine gewisse Art von Freiheit, die durch den Scham der Nacktheit bewusst genommen wird. Meine Erfahrung nach, sind die Naturisten sehr hygienisch, das da auch kein Ekel der anderen kommen kann. Und wenn das jeder macht, wenn es warm ist und wenn wir garnichts anderes dann kennen gelernt haben, würde es ganz normal sein. Dann würde das auch nicht dieses erregendes oder besonderes sein, wenn man einen nackten Menschen sieht.
    Es ist dann einfach ganz normal. Wir sind doch alle gleich, wenn wir nackt sind. Ich verstehe es nicht, warum Menschen wegsehen, wenn sie einen anderen Menschen nackt sehen. Ich finde dann, wenn die noch nie einen anderen Menschen nackt gesehen haben, dann wurde das mal Zeit. Und wenn sie doch schon mal einen anderen Menschen nackt gesehen haben, verstehe ich nicht, was sie dann haben.
    Das soll endlich mal aufhören.
    Lieben Gruß Finn

    • Hallo Finn,

      danke für deinen Kommentar, ich kann deine Aufregung verstehen. Aber jeder Mensch hat seinen eigenen Standpunkt in dieser Sache, den man ebenfalls respektieren sollte.

      Viele Grüsse
      dein Oh-Barcelona Team

  4. Vieleicht sollte man, bei allen Diskusionen, den Mann als Kunstwerk betrachten und dulden, wenn nicht sogar fördern.
    So etwas ist ein Baustein zum Gesicht dieser Stadt.
    Ich freue mich auf jeden Fall auf solche und andere Attraktionen bei meinem diesjährigen Besuch.

    • Hallo Dieter,

      Zweifellos repäsentieren Attraktionen wie der Parc Güell die Stadt international und sind ein ‚Muss’ für Touristen und Besucher.

      Wir freuen uns, dass Ihnen das künstlerische Schaffen von Gaudí so gut gefällt. Wenn Sie die Stadt besuchen, werden Sie viele Arbeiten Gaudís wie beispielsweise die Sagrada Familia, „La Pedrera“ und vieles mehr finden.
      Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt während Ihres nächsten Besuchs in Barcelona.

      Liebe Grüße

      • Ich meinte als Baustein euren Esteban.
        Gaudi und die anderen etablierten Größen sind “Standart”.
        Esteban und andere Straßenkünstler geben der ganzen Sache noch die Farbe.

        • „Hallo Dieter,

          Vielen Dank nochmal für Ihren Kommentar! Leider haben wir Ihren Beitrag nicht ganz korrekt verstanden 😉

          Zu diesem Thema gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Jeder Mensch hat seine Ansichten, manche Menschen finden so etwas ganz natürlich, andere finden es ist ein Skandal, andere wiederum, so wie Sie, finden dies interessant.

          Wir respektieren viele unterschiedliche Lebensstile und glauben dass Toleranz ein gutes Stichwort ist….
          In diesem Sinne, viele Grüße“

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