Der Ursprung von Barcelonas “neuem Zentrum” geht bis in die Zeit der Industrialisierung zurück, als die vielen Hütten und Fabriken ihm den Spitznamen “katalanisches Manchester” einbrachten. Falls Sie aber schon einmal in Manchester waren, wird Ihnen der Vergleich wahrscheinlich schwer fallen, besonders heutzutage. Die vielen Fabrikhallen und ihre rauchenden Schornsteine sind Hightech Bürogebäuden gewichen und an der Küste sind dutzende teurer und hochwertiger Grundstücke entstanden.
Der Stadtteil kann sich über eine beneidenswerte Lage freuen; nah am Stadtzentrum aber doch weit genug entfernt, um sich seinen dörflichen Charakter zu bewahren. Von hier gelangt man auch zu drei von Barcelonas Stränden, das definitiv eine große Rolle bei der Entscheidung spielt, Poble Nou als Basis für seinen Urlaub zu wählen.
Vom Sumpfgebiet zum marinen Dorf, bis hin zum modernen mediterranen Magneten
Eine Sache der Barcelona nie müde zu sein scheint, sind die vielen ambitionierten urbanen Erneuerungsprojekte und auch Poble Nou, das ursprünglich ein Sumpf am Stadtrand war, ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. Im späten 20. Jahrhundert ging die Metamorphose des Stadtteils mit den Erneuerungen einher, die wegen der olympischen Spiele stattfanden. Zu diesem Zeitpunkt brauchten vor allem die Gebiete direkt am Meer ein längst überflüssiges Lifting. Fabrikgebäude wurden in Studios und Lofts umgewandelt wobei die für den Bezirk berühmten roten Backsteinschornsteine erhalten blieben. Allmählich wurden die alten Lagergebäude durch trendige Hotels und Bürogebäude im Stil von Silicon Valley ersetzt. Der Bezirk kann sogar eine brandneue Sehenswürdigkeit sein Eigen nennen, der unverschämt-glänzende, wie eine Projektil geformte Torre Agbar.
Seine Nachbarn kennen
Das Herz des geselligen Lebens ist der aus dem 19. Jahrhundert stammende Rambla de Poble Nou. Eine lange Fußgängerzone mit Bänken und Bäumen, auf der man auch ein paar schattige Abschnitte vorfindet. Hier treffen sich die Einwohner von Poble Nou, sei es um einzukaufen oder mit dem Hund spazieren zu gehen, sich mit Freunden zu treffen oder einen Espresso auf einer der sonnigen Terrassen zu trinken.
Der Stadtteil war geschichtlich gesehen ein Arbeiterviertel, mit Menschen die in der Textilherstellung tätig waren. Ein kleiner Teil tut das bis zum heutigen Tage. Aber auch viele Neulinge haben von Poble Nou Besitz ergriffen, einschließlich der vielen Beschäftigten der Hightech-Firmen, die den innovativen ‘22@’ Businessbezirk formen.
Zum Glück hat die Verwandlung Poble Nous die Atmosphäre des Bezirks nicht völlig verändert. Die alten Fabrikgebäude werden heute als Lofts und Galerien von Künstlern und Designer genutzt, so dass in der Gegend ein kreatives und produktives Treiben herrscht.
Einkaufsmöglichkeiten
Die Haupteinkaufsstraße von Poble Nou ist seine Rambla. Die Läden, so wie der Stadtteil selbst, sind eine bunte Mischung aus Neu und Alt, mit weltlicher Mode und Schmuckgeschäften. Eine weitere Straße mit Charakter ist die Carrer de Marià Aguiló, die es zu entdecken lohnt.
Das nächstliegende Einkaufszentrum ist das moderne Les Glòries auf der Diagonal Allee, mit 150 Geschäften, 7 Kinosälen und zahlreichen Cafés und Restaurants. Für den Kauf von Lebensmittel kann man den Mercadona Supermarkt besuchen, der direkt auf der Rambla liegt, ideal also um den Kühlschrank in seiner Ferienwohnung wieder aufzufüllen. Es gibt auch viele kleine, heimische Läden, wo man von Feinkost bis Donuts alles Mögliche bekommt.
Diejenigen die Ihr Glück gerne mal auf Flohmärkten versuchen, sollten den Mercat Els Encants besuchen. Er kann bis ins 14. Jahrhundert zurück verfolgt werden und ist daher einer der ältesten Märkte in Europa. Er ist montags, mittwochs und freitags von 7:00 Uhr früh bis 15 Uhr geöffnet und man findet hier buchstäblich alles, sogar Waschbecken.
Verkehrsanbindung
Die Hauptverkehrsader durch Poble Nou ist die gelbe U-Bahn Linie 4, mit den Stationen Bogatell, Llacuna und eigens Poble Nou. Das Stadtzentrum (die Ramblas oder Plaça Catalunya) kann man in nur 10-15 Minuten erreichen. Die gelbe Linie führt auch direkt zu Barceloneta am Strand und zum Passeig de Gràcia, wenn man Gaudís modernistische Meisterwerke bestaunen will. In der oberen Ecke des Bezirks liegt noch die Glòries U-Bahn Station, wo die rote Linie verkehrt.
Barcelonas Tram-Liniennetz verkehrt auch in Poble Nou und ab den Stationen Pere IV und Fluvia, die auf der Diagonal Allee liegen, erreicht man Vila Olímpica oder das Glòries Einkaufszentrum. Auf der anderen Seite ist Poble Nou ausgezeichnet für Spaziergänge. Anwohner machen von den vielen Fahrradwegen Gebrauch und das flache Gebiet am Strand ist perfekt zum Joggen, Rollerbladen oder um den Hund auszuführen.
Der September ist ein guter Zeitpunkt um Poble Nou zu besuchen, denn dann findet die jährliche Festa Major des Bezirks statt. Das Fest hat all die Bestandteile einer guten katalanischen Sause. Es gibt menschliche Pyramiden, den Festumzug der Riesen und den einzigartigen ‘correfoc’ (Feuerlauf). Aber auch in der restlichen Jahreszeit ist der Aufenthalt in Poble Nou ein angenehmer. Hier findet man Ruhe, ist schnell im Zentrum und hat leichten Zugang zu den Stränden.
Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, sollte man die Rambla de Poble Nou entlang spazieren. Zivilisiert und ohne den konstanten Verkehr des Stadtzentrums, fühlt man sich hier dem berühmten Namensbruder sehr weit entfernt. Von hier aus gen Norden liegt der Designerpark “Parc Central de Poble Nou”, oder man begibt sich südlich, um an den Hafen oder die Strände zu gelangen.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Die Strände Bogatell (beliebt bei einem älteren Publikum) und Mar Bella (übersetzt die ‘wunderschöne See’) liegen im östlichen Teil von Poble Nou und sind ein großer Anreiz, seinen Aufenthalt in diesem Stadtteil zu verbringen. Es gibt noch weitere Sehenswürdigkeiten, die nicht an der Küste liegen.
Parks und Gärten
Es gibt zwei Parks in dieser Gegend, man sollte aber die Namen auf einer Karte nachschlagen, damit man auch zu dem richtigen gelangt. Der ursprüngliche Parc de Poble Nou liegt gegenüber vom Meer aber der ummauerte Parc Central del Poble Nou ist wohl der interessantere und wurde im Jahre 2008 eröffnet.
Der Park wurde von Jean Nouvel entworfen. Der französische Architekt hat auch schon den Torre Agbar entstehen lassen. Hier ist es unbeschreiblich ruhig, da die Verkehrsgeräusche von der Wand aus Blumen abgehalten werden. Er wurde mit verschiedenen Zonen und Lebensräume konzipiert, inklusive einer Fläche für den Sardana Tanz und hunderter Trauerweiden. Anwohner nutzen den Park sehr oft und man sieht Eltern mit Kinderwagen, Männer die Tischtennis spielen oder junge Paare die durch den parfümierten Rosengarten schlendern
Mausoleen und Monumente
Der neoklassische Friedhof ist ein großartiges Beispiel von Grabeskunst und gibt gleichzeitig einen Einblick in das soziale und politische Geflecht aus Barcelonas Geschichte. Hier sind eine Handvoll berühmter Katalanen beerdigt aber es gibt auch etliche anonyme Gräber. Das meistbesuchte Grab ist das eines beliebten Heiligen (‘el santet’), der die Leute heute noch inspiriert und oft werden Geschenke, Kerzen, oder sogar Kuscheltiere niedergelegt. Am Ende des 19. Jahrhundert hat das aufstrebende Bürgertum berühmte Architekten damit beauftragt, pompöse Ruhestätten zu entwerfen. Noch heute besitzt der Friedhof eine große Anzahl an künstlerisch gestalteten Mausoleen und Pavillons. Eine besonders schmerzvoll wirkende Skulptur ist der ‘El Beso de la Muerte’ (der Kuss des Todes). Eine fesselnde Szene von geflügelten Skeletten, die einen jungen Mann umarmen, dessen Zeit gekommen ist.
Der kontroverse Torre Agbar vermittelt ein komplett anderes Gefühl. Er ist eine moderne Ergänzung der Barcelona Skyline und sieht ein wenig wie das ‘Gherkin’ Gebäude in London aus. Besonders eindrucksvoll ist der Torre Agbar wenn er in der Nacht in verschieden Farben angeleuchtet wird.
Essen gehen
Der Bezirk liegt am Meer und es verwundert daher nicht, dass es in Poble Nou viele Fischrestaurants gibt. Unser Favorit ist das Els Pescadors, das am kleinen quirligen Platz Plaça de Prim liegt. Hier gibt es jedes erdenkliche Fischgericht und obwohl die Preise höher sind scheint es, dass die Anwohner immer wieder hier essen gehen. Das L’Aliança de Poble Nou ist ein weiteres Restaurant was wir empfehlen wollen. Es liegt direkt auf der Rambla und dort bekommt man tolle Tapas. Der Service ist schnell und aufmerksam.
Tagsüber sollte man das Cala Blanca probieren. Hier gibt es für nur 12 Euro tolles katalanisches Essen, das nur mit frischen Produkten vom Markt hergestellt wird. Hier isst man wirklich wie ein König. Mittags drängen sich hier die Anwohner und es gibt auch eine liebliche Terrasse, falls man einen Drink an der frischen Luft einnehmen will. Wenn man gerne sein Essen im Freien verzehrt, ist die Strandbar Escribà ‘Il Chiringuito di Bogatell’ auch eine gute Wahl. Hier kann man lecker Paella essen und seinen Wein mit Blick aufs Meer genießen. Man sollte einen Tisch reservieren, da es oft voll werden kann.
Nachtleben
In Poble Nou gibt es einige Möglichkeiten, wenn man nach der Paella noch in Feierlaune sein sollte. Es gibt viele Bars am Strand und viele der alten Fabrikgebäude wurden in Clubs umgebaut. Das Sala Razzmatazz ist besonders auffällig. Hier finden jede Woche Konzerte internationaler Künstler statt und die vielen verschiedenen Ebenen spielen Musik unterschiedlicher Genres. Der Club ist bei Einheimischen und Besuchern beliebt. Ein „Nebenprodukt“ vom Razzmatazz ist das Loft, wo hauptsächlich Techno und elektronische Musik gespielt wird. Für Live-Musik sollte das BeGood, nah der U-Bahn Station Marina, besucht werden. Auch wenn der Club nicht groß ist, ist die Stimmung super und ideal um den Abend ausklingen zu lassen.
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